LehrerInnenseminar Altdorf

Heute, Anfang September 2005, existiert das LehrerInnenseminar Altdorf definitiv nicht mehr. 30 Jahre lang hat der Kanton Uri einen Teil der Lehrerbildung selber in die Hand genommen. Nun hat sich die Bildungslandschaft Schweiz radikal verändert: LehrerInnen werden gesamtschweizerisch nur noch an Pädagogischen Hochschulen ausgebildet, die LehrerInnenseminarien sind gestorben.

Anfang der er 60er Jahre herrschte vor allem in den Randregionen der Schweiz ein eigentlicher Bildungsnotstand: Es fehlten Lehrerinnen und Lehrer und Kaderpersonal im Bildungswesen.

1965 eröffnete das Lehrerseminar Rickenbach, welches als Konkordatsschule die männlichen Lehrkräfte der Innerschweiz ausbildete eine erste „Zweigklasse“ im Mariannhiller Gymnasium St. Josef Altdorf.

1966 folgte die zweite Klasse und ich wurde als „Seminarpräfekt“ (Schülerbetreuer, Internatsleiter) im Teilpensum angestellt. Ich pendelte als Werkstudent der Psychologie zwischen der Uni Fribourg und Altdorf.

Als dann 1967 die dritte Seminarklasse eröffnet wurde und das „Unterseminar“ Altdorf komplett war, begann der Emanzipationsprozess der Urnerischen Lehrerbildung.

1968: Eröffnung eines Neubaus für das „Lehrerseminar Uri“ auf der Brickermatte in Bürglen.

Oeffnung der Schule für Mädchen, zusammen mit dem Mariannhiller Gymnasium, welches in dieser Hinsicht die bildungspolitische Pionierrolle für sich beanspruchen darf.

Im gleichen Jahr wurde das Unterseminar vom Gymnasium St. Josef organisatorisch abgelöst und ich wurde als Rektor des Lehrerseminars Uri gewählt.

10 Jahre durfte ich diese Pionierschule leiten, welche sich innerhalb der schweizerischen Lehrebildung einen guten Ruf erarbeitete. Ich denke mit Dankbarkeit und Stolz an diese faszinierende Zeit zurück: Vieles, was heute als neuste Erkenntnisse der Didaktik und Methodik angepriesen wird, haben wir damals bereits verwirklicht.

Der sozial-integrative Führungsstil und das emanzipatorische Erziehungskonzept stiessen nicht überall auf Zustimmung. Neben dem Ruf der Reformschule haftete uns von Anfang auch derjenige der „kommunistischen Brutstätte“ an. Ich erachte es heute immer noch als eine grosse Leistung der urnerischen Gesellschaft und Bildungspolitik, dass sie während 10 Jahren unsere Bemühungen trotz dieser Spannung unterstützt und gefördert hat.

Ende Juli 1976 verliess ich die Schule. Ich wollte nicht, dass die gesellschaftliche und politische Polarisierung, alle pädagogischen Errungenschaften zerstören würde. Als Dokumentation unserer Pionierarbeit erschien zu diesem Zeitpunkt der Fernsehfilm von Gerhard Camenzind und Marcel Boucard „Lehrer für die Schule von morgen“. Seine Ausstrahlung durfte ich als Didaktik- und Psychologielehrer am Lehrerinnenseminar Menzingen, wo ich für fünf Jahre als LehrerInnenbildner weiterarbeitete, mit etwas wehmütigen Gefühlen erleben.

Hier möchte ich nun allen Ehemaligen und allen Interessierten einige wichtige Dokumente aus der Altdorfer Zeit zur Verfügung stellen. Damit will ich einen Beitrag gegen das Vergessen leisten und daran erinnern, dass auch in der „pädagogischen Provinz“ Wegweisendes entwickelt wurde.

Hinweise:
  • Alle Textdokumente können auch als pdf-dateien direkt von dieser site heruntergeladen werden.
  • Für Ehemalige und Freunde unseres Seminars habe ich alle Texte und sämtliche Fotos meines kleinen Archivs (über 250 Fotos) auf einer CD zusammengestellt. Diese kann beim Sekretariat der Praxis für Fr. 20.— Unkostenbeitrag bezogen werden. (bitte Betrag in Briefumschlag zusenden oder vorbeibringen)

Ich freue mich auf viele Rückmeldungen und danke für das Interesse und die Unterstützung

Karl Aschwanden



01
Urner Schulfragen: Interview mit Erziehungsdirektor Josef Müller
(UW 1967)


02
Grünes Licht zum Neubau des Unterseminars Uri
(Urner Wochenblatt 1968)

03
Das Sommerlager in Obergschwend wird lanciert
(1971)

04 Ein Besuch im Sommerlager
(1971

05
Das Tagesinternat am Lehrerseminar Altdorf
(Jahresbericht 1973/74)

06
Kommentar zum Film „Lehrer für die Schule von morgen“. Seminarportrait
(1974)

07
Prospekt der Lehrerboutique: Ein Vorbild für Didaktische Zentren
(1973/75)

07a
Eröffnung der Lehrerboutique: Bericht im Regionaljournal

08
Interview mit Karl Aschwanden zur Stellensituation für LehrInnen in Uri
(1975)

09
Jahresbericht 1975/76: Standortbestimmung zum Rücktritt nach 10 Jahren
(1976)


10
Zeitungsbericht mit Kommentar zum Rücktritt von Karl Aschwanden
(LNN 1976)

11
Der neue Rektor Josef Arnold ist gewählt
(1976)

12
Interview mit dem neuen Rektor Josef Arnold (Vaterland
1976)

13
Ein Ende in Raten: Das Seminar wird in die Kantonsschule integriert.
(Alternative 1984)

14
"das LehrerInnenseminar Uri ist Geschichte" Bericht der Neuen Urner Zeitung vom 22.6.2006 zum Ende des LehrerInnenseminars Uri

Bildergalerie 1: Aus dem Seminarleben: Schule, Tagesinternat, Freizeit
Bildergalerie 2: SeminarlehrerInnen und MitarbeiterInnen
Bildergalerie 3: Sommerlager in Obergschwend
Bildergalerie 4: Veranstaltungen: eine kleine Auswahl
Bildergalerie 5: Lehrerboutique als Treffpunkt der Lehrerinnen und Lehrer
Bildergalerie 6: Einige Klassenfotos
Bildergalerie 7: Schülerinnen und Schüler in Aktion