Portrait von
Judith Biberstein-Rüegg
Psych. FH


Seidenweg 30
3012 Bern

judith.biberstein@gmx.net

www.inneremraumgeben.ch

Ich wuchs behütet in einem kleinen Mehrklassen-Schulhaus im Zürcher Oberland auf, unten das Schulzimmer, oben die Wohnung, der Lehrer- mein Vater. Heute wohne ich noch immer oben unter dem Dach. Mir ist die Nähe zum Himmel wichtig; das Überblicken der Dinge, die mir unten im Schulzimmer des Lebens begegnen. Ich lerne gern und begreife es als Privileg, dass die Dinge sich zusammenfügen lassen und immer mehr verdichten. Ich lebe zusammen mit meinem Mann Olivier, der an einem Sommertag im Jahr 03 auf der Piste vom Flugplatz Sisteron (FR) in meinem Leben gelandet ist. Weil Olivier aus Genf kommt, haben wir die Distanz in der Mitte unserer Kinderorte überbrückt; wir leben in Bern. In meinem 17. Lebensjahr brachte mir mein Vater das Segelfliegen bei. Im Fliegen erlebe ich Notwendigkeit, fernab von Alltagssorgen unmittelbar in der Gegenwart des Momentes zu handeln, das Wunder, in der Luft getragen zu sein und die Möglichkeit, Überblick über die innere und äussere Geografie zu erlangen. Und ich erlebe eine besondere Verbindung bei gemeinsamen Flügen mit meinem Mann. Seit August 2008 verbindet uns zusätzlich die Liebe und Verantwortung für unseren Sohn Joel Bastien. Nach langen Jahren des Sehnens und allmählichen Loslassens ermöglichten die Behandlungen der modernen Medizin seine Landung bei uns.

Zu meinem beruflichen Weg: zuerst wurde ich Pädagogin; ich hatte in der kleinen Welt des Schulhauses und in mir selbst wenig Überblick über die Möglichkeiten. Ich fühlte mich wohl mit den Kindern aber die Vorbereiterei war eine Qual. Ich lernte eine Theatermethode bei der ich spielen konnte ohne zu Proben und machte erste Selbsterfahrung, dies weckte wundersam meine Lebendigkeit in der Kreativität. Ich begann die Methode an andere weiterzugeben und stieg in TZI ein, weil ich mehr über Gruppen lernen wollte. Inzwischen arbeitete ich in einer Kulturaustauschorganisation für Jugendliche, ich wollte wissen, wie es ist „auf dem Büro“ zu arbeiten. Das Büro war unerwartet begeisternd; die Arbeit Friedensarbeit durch Völkerverbindung. Später machte ich eine musikpädagogische Ausbildung am Konservatorium und begann, Kindern die Begeisterung an der Musik weiterzugeben, das war einfach. Schwieriger war inzwischen meine Ehe geworden, die ich allzujung eingegangen war, mit noch wenig Überblick. Ich stellte mich auf eigene Füsse und bearbeitete zusätzlich an einem Gericht juristische Schriftstücke, das war wohltuend sachlich. In dieser Zeit suchte ich nach einer längerfristigen Gemeinschaft und fand sie in Karis Berufsfeldprojekt. Ich stellte fest, dass mich die humanistischen Werte im Kern berührten und absolvierte zwischen 1997 und 2001 ein Psychologiestudium. Schon immer fand ich die auffälligen Kinder spannender fand als die braven. Ich verbrachte ab 2001 Lehr- und Wanderjahre in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, in der Therapie alkoholkranker Menschen, in therapeutischen Kindergruppen, in der schulischen Krisenintervention, in Esalen Californien und in der Erwachsenenpsychiatrie. Vor allem war ich unterwegs zu mir selber und wurde liebevoll geschubst von IBP, der Psychotherapiemethode, die ich für meine therapeutische Professionalisierung gewählt hatte. Ich begann dort auch die Kraft der körperlichen Präsenz im Tanz der 5Rhythmen zu entdecken. TZI begleitete mich weiterhin und verschafft mir den nötigen Überblick. Es geht ums Anteilnehmen.

Heute arbeite ich in der freien psychotherapeutischen Praxis. Mein Angebot ist die Begleitung beim Üben der Kunst, gleichzeitig mit sich und der Welt in lebendigem Kontakt zu sein.

Daneben bin ich Assessorin für ein Langzeit-Psychotherapie-Forschungsprojekt. Dieses Engagement hat eine berufspolitische Dimension und vernetzt mich über die Institutsgrenzen hinaus mit BerufskollegInnen verschiedener Therapierichtungen. Die Vielfalt ist Reichtum. Dann bin ich Trainerin für Kinderkurse bei IMPACT Selbstsicherheit, eine Arbeit mit viel Dynamik und sofortiger Wirkung, im Team, gemeinsam.

Es ist mir ein Anliegen, ernst zu nehmen was ist; in mir und um mich herum. Die Wahrheit mag nicht immer schön sein, aber ihr zu begegnen ist immer gut. Dies engagiert und betrifft mich. Was nicht heisst, dass die Wahrheit und der Humor keine guten Gefährten sind!

Mir ist Achtsamkeit wichtig, sie prägt übers Aussen das Innen, sie schafft Schönheit im Ausdruck und Respekt in der Anteilnahme sowie -gabe, in der Sprache, der Musik, in der visuellen Gestaltung. Achtsamkeit gibt uns Möglichkeiten der bewussten Bezugnahme zu uns selbst, zum Anderen, der Welt und dem geheimnisvollen grösseren Ganzen, zu dem wir gehören.

Judith im Februar 09