Portrait von Alois Braun

alois.braun@bluewin.ch

Heimleiter, Dipl. Pädagoge

Basler Frauenverein am Heuberg
Tagesheim Elsässerstrasse
Elsässerstrasse 54
4056 Basel
Telefon : 061 381 63 72
Fax : 061 381 63 73
elsaesserstrasse@baslerfrauenverein.ch
Geboren wurde ich zu Hause. Als zweitjüngstes von 7 Kindern bin ich mit 4 Schwestern und 2 Brüdern aufgewachsen. Auch meine Eltern entstammen kinderreichen Familien, die Mutter aus Deutschland, der Vater aus Frankreich. Es gibt einen recht grossen „Familienclan“, der sich in Deutschland, Frankreich und Luxemburg ausgebreitet hat und sich bis heute zu einer - nur noch mit viel Mühe überschaubaren - Gemeinschaft vervielfachte. „Grenz-Erfahrungen“ sind mir daher schon seit meiner Kindheit eine vertraute Lebenserfahrung. Mein Vater arbeitete in der französischen Stahlindustrie und zu Hause wurde für den Eigenbedarf Vieh- und Landwirtschaft betrieben. In diesem familiären und materiellen „Milieu“ wurde vieles fremdbestimmt. Wenig Geld, viel Arbeit und Kampf für die eigenen Bedürfnisse prägten den Alltag; erst recht, als mein Vater starb - mit 56, ich 18. Trotzdem ging irgendwie alles glatt. Familienleben, Jugendgruppe, Angeln, Fussballspielen, Abitur, Militär, Studium, Berufseinstieg. In Assisi in Italien lernte ich meine Frau Linda, die Schweizerin ist, kennen und wir arbeiteten und lebten 3 Jahre zusammen in Deutschland. Nach der Geburt unseres Sohnes Oliver 1989, sind wir ein halbes Jahr später, am 2. November 1989, dem Tag des Mauerfalls, in die Schweiz übergesiedelt (wo viele von einer deutsch-deutschen Mauer gar nichts wussten). Nach der Geburt unserer Tochter Mirjam 1990 und einem weiteren Orts- und Berufswechsel wohnen wir seit 1995 im Fricktal. Hier haben wir ein Haus gebaut, in dem wir uns mit unseren Kindern und unserem Hund sehr wohl fühlen.

Meine Berufswahl war klar: Vieh- und Landwirtschaft, handwerkliche Arbeit, sportlich durchtrainiert und die Berufslehren meiner Geschwister vor Augen – ich konnte mir nicht vorstellen, was ich selber da noch dazulernen könnte/sollte. Aber die Jugendgruppe, da gab es Herausforderungen und Grenzerfahrungen, die mich spüren liessen, dass es noch viel für mich zu lernen gibt. Also studierte ich Diplom-Pädagogik in Koblenz (D), mit dem Ziel Jugend- und Erwachsenenbildner zu werden. Schon vor dem absolvierten Diplom hatte ich eine Honorar-Anstellung in einer internationalen und interreligiösen Bildungs¬stätte, in der ich meinen beruflichen Einstieg und meine ersten beruflichen Erfahrungen machte. Es war eine intensive und faszinierende Tätigkeit, bei der ich die interreligiöse und multikulturelle Welt mit ihren Menschen direkt erleben und erfahren konnte. Es war auch beruflich eine sehr lehrreiche Zeit, denn auch hinter der professionellen Arbeit stecken immer Menschen mit einer zwischenmenschlichen Dynamik, die eine grosse Macht entfalten konnte. Was aber speziell war: wir kannten Menschen aus England, Polen, Frankreich, der DDR, Italien, Israel,.... nicht aber die Nachbarn in unserer Umgebung. Wir waren fixiert. 3 Jahre später, wie erwähnt am Tag des Mauerfalls, sind wir dann in die Schweiz übergesiedelt.

Ich begann 1989 in der Schweiz mit der Arbeit als... Jugendseelsorger. Kirchliche Jugendarbeit sollte nicht auf religiös-kirchliche Angebote reduziert bleiben – lautete der Auftrag - sondern vielfältig werden und offen sein für alle Jugendlichen, die nach Gemeinschaft suchen. Angestellt, diese kirchliche Jugendarbeit in 13 Dörfern aufzu¬bauen, wurde Konzept- und Lobbyarbeit realisiert, predigte ich in Jugendgottes¬diensten, unterrichtete in Schulen, organisierte Jugendferien international und interreligiös und es wurden Jungwacht-, Blauring- und Pfadilager, Discos, Film¬nächte, Musik- und allerhand andere Feste von den Jugendlichen gestaltet. Es war eine Berufsarbeit in direkter Gemeinschaft und Partnerschaft mit denen, für die sie gedacht war und die sich dafür interessierten. Das war eine sehr beziehungsreiche und befriedigende Arbeit, aus der bis heute noch lebendige und dankbare Kontakte resultieren. Der bevorstehende Schuleintritt unseres Sohnes bewog uns zu einer neuen Standortbestimmung, denn die vielen beruflichen Abend- und Wochenend¬einsätze konnten wir uns für die kommende Schulzeit unserer Kinder nicht vorstellen. Es kam zu einem Wechsel von der Arbeit mit Ehrenamtlichen zu einer Arbeit mit Berufsleuten, verbunden mit dem erwähnten Ortswechsel in die Heimatregion meiner Frau Linda.

Seit 1995 arbeite ich als Heimleiter in Basel, in einem (von 22) Kindertagesheim beim Basler Frauenverein. Wir betreuen täglich ca. 60 Kinder im Alter von 3 Monaten bis 14 Jahre, in einem Quartier mit hohem Ausländeranteil und vielen sozialen Problemen. Kinder und Eltern aus 14 Nationen und Kulturen und aus allen sozialen Schichten finden sich im Tagesheim von Montag bis Freitag zwischen 6.30 und 18.30 Uhr ein. Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist an der Betreuungsarbeit mit den Kindern ausgerichtet. Bei persönlichen oder therapeutischen Frage¬stellungen nehme ich meine Rolle als Verbindungsperson zu den entsprechenden Fachstellen wahr. Die Personalarbeit macht ca. 50% meiner Arbeitszeit als Heim¬leiter aus. 14 Vollzeitstellen verteilen sich auf 20 MitarbeiterInnen, darunter Fachfrau¬en, Auszubildende, SozialpraktikantInnen und Hausangestellte. Administration und Qualitätsmanagement sind 2 weitere Arbeitsschwerpunkte, die mein Tätigkeitsprofil als Heimleiter vervollständigen. Auch für’s Handwerkeln gibt es immer wieder Anlass und Zeit. Ich erlebe diese Arbeit als sehr komplex, anstrengend, abwechslungsreich und ganzheitlich, als eine Arbeit, die ich gerne mache und die mir ermöglicht, auch an meiner eigenen Bildung und Entwicklung zu arbeiten.

Internationale, interkulturelle und interreligiöse Erfahrungen prägen mein Denken und Leben seit meiner Geburt und fordern mich im Alltag immer wieder heraus. Insbe¬sondere bei meiner Arbeit als Heimleiter. Ich erlebe die ganz grossen Themen des Makrokosmos, wie Frieden, Freiheit, Gesundheit, Liebe,... im Mikrokosmos des Alltags von Kindern. Wie mit Sandkörnern gleich versuchen wir bei der Arbeit den Kindern Lebenstüchtigkeit zu vermitteln, im Bewusstsein, dass sich jedes Leben seinen Weg auch selber sucht und gestaltet. TZI hat mir einen besonderen Blick auf das Leben und seine tiefen Zusammenhänge vermittelt. TZI hat mich auch erfahren lassen, dabei den Blick auf mich selber nicht zu vergessen. Dafür bin ich dankbar.

Ein Leitsatz mit positiver Rückwirkung:

„Das Leben ist nicht nur zum Krampfen da!“

Ich freue mich über jeden Kontakt.