Portrait von Sandro Fischli

27.06.1951
Sozialarbeiter FHS
sandro.fischli@bluewin.ch

ich lebe zusammen mit Susanna Fischli Schwyzer, Jg. 1953, in Partnerschaft seit 1980, und Tochter Nina, Jg. 1988


Werdegang:

  • Aufgewachsen mit Zwillingsschwester Elena und einem Jahr jüngeren Bruder Peter in Obermeilen, am Pfannenstiel, über dem Zürichsee
  • Mit 14 Trennung der Eltern, Umzug nach Zürich mit der Mutter, Gymnasium mit Abschluss Matura B
  • Lange Lehr und Wanderjahre als Kind der Sechziger- und Siebzigerjahre in diversen Jobs, die damals alle noch einfach belegt und wieder niedergelegt werden konnten, viele Reisen, viele Auszeiten. Schwerpunkt: Arbeit in Buchhandlungen, auf Zeitungskorrektoraten, im Gastgewerbe und in Künstlerateliers.
  • 1972-1979 Partnerschaft mit Manon, Künstlerin, Zürich, in Freundschaft verbunden bis heute
  • seit 1980 Partnerschaft mit Susanna
  • 1985 Tapetenwechsel von Zürich nach Bern, Arbeit als Korrektor bei Berner Zeitung
  • 1987 Heirat mit Susanna
  • Januar 1988 Geburt von Nina

  • 1989 grosser beruflicher Wechsel: ohne soziale oder pädagogische Ausbildung kann ich in der Drogenrehabilitation Aebihus Maison Blanche DAM zu arbeiten beginnen. Das Aebihus unter der Leitung von Wolfgang Huber arbeitet nach Prinzipien der humanistischen Psychologie und legt grossen Wert auf Weiterbildung der MitarbeiterInnen, grosszügige Förderung. Bekanntschaft mit Kari Aschwanden, der im Aebihus Organisations- und Teamentwicklung leitet.

  • 1990 Einführungskurs in TZI bei Kari Aschwanden in Isenthal
  • 1991/92 TZI und Berufsfeld bei Kari Aschwanden
    ich lerne sehr viel in diesen Workshops, zweifle jedoch immer wieder an grundsätzlicher Professionalität in Sozialer Arbeit und entscheide mich

  • 1995-1999 an der Fachhochschule für Soziale Arbeit in Bern die Grundausbildung zu machen. Damit knüpfe ich einen losen biographischen Faden, eine „unamortisiierte“ Matura zu Ende. Ich hole mir die nötige Professionalität, viele Zweifel fallen endlich weg. Mit Beginn der Ausbildung beende ich die Arbeit in der DAM Aebihus Maison Blanche, bleibe der Institution allerdings nach wie vor sehr verbunden, als zentralem Teil meines Globes. Während und nach der Ausbildung besuche ich nur noch einzelne TZI-Workshops, wiederholte Teilnahme an Workshops zu meiner Identität als Mann in einem sozialen Beuf und meinem Älterwerden als Mann

  • 1995 -1997 Betreuer in Wohnheim für geistig behinderte Erwachsene. Ich schätze das Haushalten und Pflegen und Freizeitgestalten mit den BewohnerInnen als Ausgleich zum Studium sehr.
  • 1997-2000 Arbeit in gesetzlicher Sozialarbeit, Fürsorgeamt der Stadt Biel
  • September 2000 bis August 2008 Sozialarbeiter in der ev.-ref. Kirchgemeinde Johannes Bern, inmitten unseres Wohnquartiers. Gleichzeitig Leitung eines Mittagstisches/Restaurantbetriebes einmal wöchentlich mit Psychiatrieerfahrenen für Psychiatrieerfahrene und Andere
  • Seit August 2008 Sozialarbeiter im Intake-Team des Sozialdiensts der Stadt Bern

  • 2005-2007 Teilnahme im TZI Machtprojekt bei Gertaud Battisti und Kari Aschwanden

Was ist mir wichtig mit und in TZI:

In der Arbeit mit Süchtigen erkannte ich früh eine starke Tendenz von mir zu einer Co-Abhängigkeit. So heikel es ist, Zitate aus einem grösseren Zusammenhang herauszureissen und sie somit zu „Killersätzen“ zu machen, so sehr rüttelte es mich auf, dass „zuwenig geben Diebstahl und zuviel geben Mord“ sei. Er bleibt bis heute ein zentraler Satz, weil meine Tendenz zu Überverantwortlichkeit, zu Allmachtsphantasien bis heute auch ein Thema bleibt, immer reflektierter zwar, aber präsent.

Mich berührt die Verbindung von Spirituellem, Politischem, Poetischem sehr – die Momente, wo die Gruppe – insbesondere die Grossgruppe – zu einer „Ausstülpung des Raumes“ (Kari Aschwanden) wird, sind von unvergesslicher Tiefe

Die Arbeit in Grossgruppen, wo wir zu einem Abbild der Gesellschaft der Welt werden, das sind dann wirkliche Labors der Friedensarbeit, Eindrücke, die ich mitnehme und die – mit Rückschlägen – als kleine Samen in anderen Gruppen von Menschen, in denen ich mich bewege, wirksam werden können

Die wache Stille in der Gruppe auf Themensuche ist für mich wie Meditation. Stille zulassen ohne dass sie Apathie, Depression versinkt, Wortmeldungen, Gedanken zulassen, ohne dass sie in Aktivismus münden, das ist für mich jeweils die grosse Kunst der Leitung, wie ich sie in Workshops erfahre. In der Entspannung gerade noch angespannt genug, in der Anspannung gerade noch entspannt genug, so leiten Zen-Schriften mich Einzelnen fürs Stillsitzen an – dasselbe geschieht für mich dann in der Gruppe.

Lebendiges Lernen: ich kann in einem lebenslangen Prozess mit Zweifeln und Ängsten und Rückzügen immer weiter wachsen, dadurch autonomer und bezogener auf andere werden, weder ich noch jemand anderer muss etwas beweisen. Das Vertrauen in diesen Prozess wächst je länger je mehr.

In Langzeitprojekten wie Berufsfeld und Machtprojekt erkenne ich, wie tragend ein solches Netzwerk ist, das mir von der Leitung angeboten wird. Konsumiere ich dieses Netzwerk eher oder knüpfe ich es aktiv selber weiter mit? Ich will es weiterknüpfen und somit tragend erhalten.

Zentral ist die Auseinandersetzung mit dem allgegenwärtigen Thema meines Mannseins geworden. Ich kann den Unterschied zwischen meinem individuellen Mannsein und meinem Mannsein als Teil der kollektiv mächtigeren Männerschaft verstehen, mich so der Auseinandersetzung mit Frauen und Männern stellen, ohne zu verstummen oder mich in individuellen Rechtfertigungen zu entziehen.